Hjørring Kommune will Rubjerg Knude um 40 Meter versetzen

Leuchtturm Rubjerg Knude
Leuchtturm “Rubjerg Knude” bei Lønstrup, Dänemark

Nachdem die Hjørring Kommune sich dafür einsetzen will, den Leuchtturm zu erhalten, indem man ihn um 40 Meter zurückversetzt, ist eine heiße Diskussion über dieses Thema entbrannt.

Wie weit die Meinungen auseinandergehen, hat sich auch im heutigen “Søndagspanelet” (Sonntagspanel) im lokalen Radiosender DR P4 Nordjylland gezeigt, in der Diskussion prallten die Meinungen aufeinander.

Ein Standpunkt war, den Turm ins Meer stürzen zu lassen, der Natur ihren Lauf zu lassen und, wenn man will, einen neuen zu bauen. Es gibt viele schöne Bilder vom jetzigen Turm und man kann dann in Geschichtsbüchern darüber lesen. Und man kann am Strand lang gehen und die alten Mauersteine oder Holzreste finden.

Im Gegensatz dazu wurde diskutiert, dass es ja viele Gebäude gäbe, die in Dänemark umgezogen wurden. Zum Beispiel der Pulverturm in Frederikshavn (1974 um 270 Meter versetzt). Vielleicht weil sie einen architektonischen Wert verkörpern oder auch um eine Geschichte zu erzählen. z.B.  die, dass das Meer nimmt und gibt. Im Westen nimmt es, im Osten (Nordjütlands) gibt es. Sonst vergisst man das vielleicht.

Wenn es also einen Wert hat, man es kann und wenn sich jemand findet, der es finanziert, warum nicht?

An der Diskussion beteiligt waren Jakob Axel Nielsen, Direktor Calum Aalborg und früherer Minister, Søren Hindsholm, Rektor des Nørresundby Gymnasiums und Mahtab Jalili-Trudslev Vorsitzende des Integrationsrates der  Aalborg Kommune.

Hier könnt ihr der Diskussion zu Rubjerg Knude folgen.

Die gesamte Sendung kann man sich hier anhören.


Unser spezieller Service für alle, die des Dänsichen nicht so mächtig sind: Unsere Mitschrift der wesentlichen Teile der Diskussion (vielleicht nicht immer ganz genau, aber die wesentlichen Aussagen dürften passen ;-)):

Moderator:
Die Hjørring Kommune will sich jetzt dafür einsetzen, den Leuchtturm Rubjerg Knude 40 Meter ins Landesinnere zu versetzen, er steht gefährlich nahe vor einem Sturz ins Meer. Mahtab, was denkst du darüber?

Mahtab:
Das was ins Meer fällt, hatten wir ja schon enige Male und ich denke, man sollte der Natur seinen Lauf lassen sie soll einfach so bleiben und man sollte einen neuen bauen, wenn man will.

Jakob:
Ich habe einen entgegengesetzten Standpunkt: Wenn Menschen ihn versetzen können und sich darin ein Mehrwert findet, dann sollten wir ihn umziehen. Es gibt viele Stellen, wo Gebäude umgesetzt werden. An der anderen Seite der Küste, bei Frederikshavn, da haben wir vor vielen Jahren den Krudttårn (Pulverturm – 1974 um 270 Meter) versetzt und heute können wir alle auf ihn schauen, wenn wir nach Skagen fahren.

Moderator:
Das war nicht, weil er ins Meer stürzen könnte sondern weil man einen Bahnhof ausweiten wollte.

Jakob
Ja, Nun besteht also die Gefahr, dass er ins Meer stürzt, es gibt viele Touristen, die ihn gerne sehen wollen.

Moderator:
Wenn wir ihn aber 40 Meter versetzen, ist das doch auch alles Lüge.

Jakob
Nun hat man immer Geschichten erzählt, dass das Meer regiert, dass das Meer alles verschlingt, ich denke, man sollte ihn versetzen. Sonst diskutieren wir das noch die nächsten 50 Jahre.

Moderator
Wir können so viel als Menschen heute, aber sollten wir nicht dahin kommen zu respektieren, dass es auch etwas gibt, was stärker ist als wir?

Søren
Ja, es gibt viele Leuchttürme in Dänemark, die werden überhaupt nicht genutzt, es sei denn als Touristenattraktionen, zumindest wenn sie ins Meer fallen.
Ich kann mich erinnern, in Aalborg, da stand so ein Turm am Hafen, der gerettet werden sollte. Der stand da so mehrere Jahre und sah einfach schrecklich aus. Da war es viel besser, als der endlich weg war und man eine schöne Hafenfront geschaffen hatte.

Mahtab
Und dann gibt es ja auch schöne Bilder davon und man kann in Geschichtsbüchern darüber lesen. Und man kann runter gehen an den Strand und die alten Steine oder Holzstumpen finden.
Und dann beginnt auch die Diskussion mit den Sommerhausbesitzern: Warum kann man nicht unsere Häuser versetzen und bewahren? Da sehe ich eine richtige Lawine auf uns zukommen.

Jakob
Das dürfen sie ja gerne, wenn sie die auf ihren privaten Grundtsücken tun, eine Baufirma finden, die das Haus einreißen und woanders wieder aufbauen. Nur sie zu sichern, am selben Platz, davon reden wir ja nicht beim Leuchtturm.

Moderator:
Wir wissen ja auch nicht, was es kostet, aber lassen wir das Geld mal außer Acht. Warum ist das überhaupt so wichtig, diese Geschichte? Warum nicht einfach zurücklehnen und anerkennen: Die Natur, die nimmt eben.

Søren
Weil wir gerne die Geschichte im Auge behalten und gerne ziegen wollen, wie die Dinge einmal waren. Wenn es menschlich möglich ist und wenn es einen gibt, der es finanziert, dann habe ich keinerlei Probleme damit.

Jakob
Wir haben viele Gebäude in Dänemark, die versetzt wurden, vielleicht weil man einen architektonischen Wert bewahren will oder eine Geschichte erzählen, z.B., dass das Meer nimmt und das Meer gibt. Es nimmt im Westen und gibt im Osten. Ansonsten vergessen wir das vielleicht.

4 Antworten auf „Hjørring Kommune will Rubjerg Knude um 40 Meter versetzen“

  1. Wenn sich kein privater Investor für den Versatz des Leuchtturms findet und letztlich der Steuerzahler für den Erhalt des Turmes zahlen soll muss abgewogen werden: Ist genug Geld in der Gemeindekasse für eine derartige Geldausgabe “über”? Ist dem Staat im Rahmen des Denkmalschutzes der Erhalt des Leuchtturmes etwas wert?
    Wie ist es mit Bemühungen gestellt, einen privaten Investor für den Erhalt des Turmes zu finden? Es gibt doch genügend Beispiele, wo teils mit Millionenaufwand alte historische Gebäude wieder hergerichtet wurden um sie dann beispielsweise für Seminarzwecke zu nutzen, als Gästehaus, Hotelbetrieb…

    Bevor man solch ein historisches Gebäude verfallen und Souvenierjägern überläßt die dann irgendwann am Strand nach Überresten des Leuchtturms buddeln sollte doch über die Möglichkeiten seines Erhalts intensiv nachgedacht werden. Der Leuchtturm Rubjerk Knude ist eines von vielen Zielen von Touristen, die sich an dem Turm erfreuen.
    Kein Turm, weniger oder keine Touristen, weniger oder keine Einnahmen mehr durch sie.

    1. Mein Hauptkritikpunkt ist, dass die Küste gesichert werden muss dafür. 40 Meter ist ja nicht viel. Das hat bisher schon nicht funktioniert. Will man die Küste einbetonieren?
      200.000 Touristen kommen jedes Jahr an den Turm. Wie viele sind es noch, wenn der Turm weg ist? Aber auch: Wie viele werden es sein, wenn der Turm versetzt wird?
      Ich bin zugegebenermaßen echt unsicher, aber ich denke nach wie vor, dass es besser wäre, den Turm nicht zuretten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.