Rubjerg Knude ist umgezogen

Der Leuchtturm bei Rubjerg Knude ist am 22. Oktober 2019 umgesetzt worden.

Nun ist es schon wieder fast 2 Wochen her, dass der Leuchtturm an der Düne Rubjerg Knude in Dänemark um 70 Meter versetzt wurde. Dies wurde notwendig, um zu verhindern, dass er ins Meer stürzt, weil die Küste immer weiter zurückweicht.

Wir haben in unserem Film ausführlich über den Turm berichtet. Seinerzeit war aber noch nicht davon die Rede, ihn zu retten. Vielmehr würde er eines Tages ins Meer stürzen, hieß es.

Auf dem Weg zum Turm

Nun ist er also versetzt und zunächst gerettet. Das ist sicher eine gute Nachricht für alle, die den Turm lieben und ihn immer wieder gerne besuchen. Die Düne ohne den Turm wäre nicht das Gleiche.

Wir haben Rubjerg Knude eine Woche nach dem Umzug besucht und sind gespalten. Da sind zum Einen die Massen von Menschen, die sich auf ihn zu bewegen. Der kleine Parkplatz an der Straße wurde um Stellplätze auf den angrenzenden Feldern erweitert. Es gibt jetzt Toiletten und sogar einen Würstchenstand.

Als wir 2004 das erste Mal dort waren, sind wir noch bis zur Düne vorgefahren und waren im Grunde ganz alleine mit dem Turm. Den Status des Geheimtipps hat Rubjerg Knude schon lange verloren.

Hinter dem Bauzaun

Im Moment sind natürlich noch die Bauarbeiten im Gange, was zusätzlich nicht gerade dazu beiträgt, die alte, bekannte Magie hervorzubringen. Stahlplatten liegen auf dem Weg, um den Baufahrzeugen die Zufahrt zu ermöglichen. Der Zugang ist einfach, man muss nicht mehr die beschwerliche Düne hochklettern. Sicherlich wird sich das eines Tages wieder ändern. Am 16. November 2019 findet eine Einweihungsparty statt, bei der der Leuchtturm wieder zugänglich gemacht wird.

Unsere Freunde Mikael und Franco, die wir in Dänische Gesichter – Land & Leute interviewt haben, warten auf den nächsten Wintersturm, der wieder ein Stück Küste kosten und den Sand in die gewohnte Unordnung bringen wird.

Die Frage bleibt trotzdem: Wird die Magie wiederkommen? Wäre Venedig noch Venedig wenn man es an anderer Stelle neu aufbauen würde?

Noch etwas lässt uns zögern: Der Umzug hat rund 5 Millionen Kronen (ca. 670.000 €) gekostet. Steuergelder übrigens.

Gleichzeitig müssen, nur wenige Kilometer entfernt, immer wieder Sommerhäuser ins Meer stürzen. Die Küste wird nicht weiter gesichert und die Eigentümer dürfen dies auch nicht tun. Vielmehr müssen sie die Überreste der Häuser auf eigene Kosten vom Strand entfernen. Der Wert der abgestürzten Häuser liegt mitunter bei ca. 2 Millionen Kronen (ca. 270.000€). Da steckt so manche Altersvorsorge drin.

Auch wenn Kommune und Grundstückseigentümer das Problem jetzt gemeinsam angehen wollen, bleiben die Gesetzeslage und die Tatsache, dass jahrelang zu wenig für die Küstensicherung getan wurde.

Ist es also gerechtfertigt, einen Touristenmagnet zu versetzen, aber gleichzieitg viel zu wenig für den Schutz “normaler” Sommerhäuser zu tun?

Wenden wir uns zum Schluss wieder dem Leuchtturm zu und geben unserer Hoffnung Ausdruck, dass wir auch in Zukunft viele zauberhafte Momente erleben werden. Dort, wo er jetzt steht. Wir kommen wieder.

Quellen:

6 Antworten auf „Rubjerg Knude ist umgezogen“

  1. Gute Gedanken! Die Küstensicherung ist ein Riesenprojekt in Dänemark und so ganz kann ich das auch nicht verstehen, dass Sommerhaus für Sommerhaus ins Meer stürzt, der Staat wenig zur Sicherung beiträgt und die Besitzer Verlust und Kosten selbst tragen müssen….doch nicht alles so hyggelig in Dänemark!

    1. Nicht immer, nein ;-). Auf der anderen Seite muss vielleicht auch die Frage erlaubt sein, warum man sein Haus so dicht am Meer bauen muss. Und ob die Gemeinschaft dann får den Verlust aufkommen muss. Alles nicht so einfach.

    2. Wo sollte Küstensicherung in Dänemark anfangen und wo soll sie aufhören? Es gibt meines Wissen ca. 7500 Km Küstenlinie im Land. Soll das alles eingedeicht werden? Gerade die Natur belassenen Strände machen doch den Reiz von Dänemark aus. Irgendwo hatte ich mal eine Karte gesehen, wo eingezeichnet war, wie viel Küste im Durchschnitt pro Jahr wo verloren geht. Bzw. wo wieviel Sand vor gespült wird. Da kann man doch überlegen, wo man ein Ferienhaus hinbaut, oder wo man es lieber sein lässt.

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